Letztes Feedback

Meta





 

Osterkunde

Beste ostergrüße von mir, der sich gerade am Ostersonntag überraschender Weise aufgerafft hat um mal wieder was zu schreiben.

Also, seit dem letzten Eintrag ist natürlich ein bisschen was passiert, aber der liegt ja auch schon gut acht Wochen zurück. Die freudigste Nachricht ist sicherlich, dass der Frühling nach zwei weiteren Wintereinbrüchen schon langsam für den Sommer Platz macht, gestern konnte ich bei 22 grad im Garten arbeiten. Aus dem Kinderzentrum selbst gibt es nicht viel neues, wir haben total wenige Kinder (oft nur zwei) und das ist nicht so die wahre Erfüllung für mich, allerdings  haben wir momentan eine andere Aufgabe. Es gibt nämlich eine Familie, deren drei Kinder (17;13;9) seit sechs Jahren zu uns kommen, die sich in einer recht schwierigen Situation befinden. Die Kinder wurden vor rund drei Wochen vom Amt eingezogen, die Mutter, wohlgemerkt wieder schwanger, ist nur am saufen und lebt mit ihrer Schwester, deren zwei Kinder auch zu uns kommen (10;3), in einer eigentlich nicht bewohnbaren Wohnung. Es stinkt wie unglaublich nach irgendetwas undefinierbarem, tausende von Kakerlaken und andere, bislang unentdeckte Krabbeltiere bewohnen jede Ecke und heißes Wasser gibt es selbsverständlich auch nicht, ganz zu schweigen von Möbeln, denn mehr als zwei Betten, einem "Schrank"und zwei Stühlen ist dort nich vorhanden. So weit so schlecht, die Mutter, Sveta, hat also nun Auflagen vom Amt bekommen und soll die Wohnung bis nächste Woche Sonntag in Schuss bringen.. Wesentlich leichter als getan, denn die beiden Frauen sind nicht nur schlimme Alkoholiker sondern auch latente Arbeitsverweigererinnen und nun hat sich meine liebe Caritas es sich zu Aufgabe gemacht ihnen bei der Sanierung zu helfen. Seit nun gut drei Wochen stehen Nastia und ich jeden Tag in der Wohung, sind am schmiergeln, spachteln, streichen und tapezieren, genau richtig für zwei Leute die nicht so wirklich die Ahnung haben. Oft hilft auch noch Hasein, er ist früher auch ins Kinderzentrum geganen und ich war auch schon das ein oder andere Mal mit ihm unterwegs. Ansonsten haben wir nicht viel Unterstützung, vereinzelt hilft Andrey, ebenfalls ein ehemaliger, oder mal tatsächlich Olga, die Schwester von Sveta, sie gibt sich wirklich Mühe und mittlerweile kann sie recht gut spachteln. Sveta hingegen ist nicht selten stramm oder klagt über Bauchweh, oft ist sie auch gar nicht zu Hause, wobei sie dann meist zu ihren Kinder fährt.

Wir liegen aber recht gut im Zeitplan, zwei Zimmer sind tapeziert und das meiste ist gestrichen, jetzt ist noch der Fußboden dran, obwohl das eh wieder im Desaster endet, und ein Teil in der Küche. Wir kommen also vorran, langsam ist ein Licht am Ende des Tunnels zu sehen, doch ob das auch für die Familie an sich gilt, scheint mir mehr als fraglich, denn aus meiner Sicht haben es die Kinder im Kinderheim mit drei Mahlzeiten am Tag, warmen Wasser und Schulpficht besser, als bei einer ständig besoffenen Mutter, bei der der Wille zu Änderung einfach nicht da ist, das wird noch interessant und spannend, ich schreib dazu beim nächstem Mal bestimmt wieder was.

Ich muss aber sagen, dass ich dankbar für diese Möglichkeit bin, denn so wird mir ein Blick hinter die hammerharte Fassade Russlands gewährt, duch den ich mein Privileg mit meiner Familie noch mehr zu schätzen weiß.

Es gibt aber auch schöne Dinge zu erzählen, zum Beispiel war ich in Astrachan wo Mirella ihr Haus hat, es ist ähnlich wie meins hier aufgebaut, dort leben zwei Frauen mit jeweils zwei kleinen Kindern, da kam richtig Heimatgefühl auf. Außerdem gibt es Wanja, ein Mann anfang 60 dem beide Hände und Füße fehlen, die Hintergründe dieser Tragödie kenn ich diesmal allerdings nicht, er hat sich jedoch soweit es geht gut mit seiner Situation arrangiert und der italienische Freiwillige Semanuelle pflegt ihn wo es nur geht, das wäre zum Beispiel nciht so mein Ding, da muss ich ihm Respekt zollen, denn er übernimmt auch die unangenehmen Aufgaben ohne zu zögern. Ich war insgesamt vier Tage da und es hat mir wirklich gut gefallen, obwohl die Horde hyperaktiver Kinder dann doch anstrengend wurde, da war ich ganz froh zuhause wieder meine Ruhe zu haben. Im Mai fahre ich nochmal nach Elista zu Alberta, das war wirklich toll letztes mal und Anffang Juni nach Sochi, vielleicht melde ich mich davor nocheinmal. Euch noch ein nettes Osterfest.

20.4.14 12:50

Letzte Einträge: kleiner Tisch, Aktuelle lage, für Ostern basteln

bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen